Es war mal wieder soweit. Am Dienstag vor Christi Himmelfahrt zeigte die Theater AG „Talentfrei“, womit sie sich das Schuljahr über beschäftigt hatte. Auf dem Spielplan stand die Komödie „Viel Lärm um nichts“ von William Shakespeare.

Schon als die Zuschauer die Aula der Gesamtschule betraten, bot sich ihnen ein ungewohntes Bild. Auf der Bühne waren zwei Gebäude zu sehen. „Will’s Diner“ und „Shakes Motel“ ließen eine erste Vermutung auf die Zeitebene aufkommen. Gleichzeitig ertönte der gute Rock `n` Roll der 50er Jahre aus den Lautsprechern.

In seiner Begrüßung führte der Theaterpädagoge und Leiter der Arbeitsgemeinschaft, Dennis Dammeyer, in das Stück ein. Obwohl das Stück schon über 400 Jahre alt ist, gab es noch keine Rockabilly-Aufführung dieser Komödie. Im Laufe der Probenzeit übertrug sich die Lebensfreude, welche durch die Musik transportiert wird, auf die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler. Zu Beginn gab es jedoch ein Problem zu lösen. Shakespeare war und ist dafür bekannt, dass es in seinen Stücken nur wenige Frauenrollen gibt und die Männer immer im Vordergrund stehen. Was also tun, wenn in der Arbeitsgemeinschaft nur vier Jungen, dafür aber sieben Mädchen auf die Bühne treten wollen? Das Stück wurde inhaltlich auf das Wesentliche gekürzt und einige Rollen gestrichen. Wichtig war, dass der männliche Part der beiden Liebespaare auch von den Jungen gespielt wurde. Die restlichen Männerrollen wurden dann einfach in Frauenrollen umgewandelt. Eine Aufgabe, die sich der Theater AG stellte, war die Sprachebene. Hier experimentierten die jungen Akteure auf drei unterschiedliche Arten und Weisen. Die Dialoge von Benedikt und Beatrice blieben im Originalton, während die restlichen Texte leicht geglättet wurden. Die Freunde Claudio und Benedikt unterhielten sich schließlich wie zwei Erwachsene aus den 50er Jahren.

Zum Stück: Im Ort Messina warten Leonata (Nele Stall), die Besitzerin von „Will`s Diner“ mit ihrer Tochter Hero (Mania Zhou) und ihre Schwester Antonia (Luisa Eilers) - ihr gehört „Shakes Motel“ - und deren Tochter Beatrice (Celina Lendt) auf die Ankunft von Donna Paola (Gina Klahn). In ihrem Gefolge befinden noch sich die ungeliebte Halbschwester Donna Juana (Kimberly Haneklaus) und deren Dienerin Boracia (Sophie Edler) sowie die beiden Draufgänger Claudio (Michel Bertling) und Benedikt (Joshua Mielke). Auf einem Maskenball wird die Hochzeit von Claudio und Hero vereinbart. Damit die Zeit bis zu den Feierlichkeiten nicht zu langweilig wird, soll noch eine schier unmögliche Aufgabe erledigt werden. Die Männerhasserin Beatrice und der Frauen Verächter Benedikt sollen ebenfalls vor den Traualtar treten. Doch dies ist nicht so einfach, denn immer, wenn die beiden aufeinandertreffen, streiten sie sich wie Hund und Katze. In zwei Szenen wird Beatrice und Benedikt vorgeschwindelt, dass sich der bzw. die eine in den jeweils anderen unsterblich verliebt hat, sich aber nicht traut, die Liebe auszusprechen. Währenddessen schmiedet Donna Juana einen Plan, wie sie die Hochzeit verhindern kann. Boracia soll sich mit einem Diener vergnügen und der Diener soll sie dabei mit falschem Namen ansprechen. Ihr Plan scheint auch aufzugehen. Von Donna Juana angestachelt, beobachten Donna Paola und Claudio das falsche Liebesspiel. Auf der Hochzeit kommt es zum Eklat. Claudio wirft Hero Untreue vor und lässt die Hochzeit platzen. Um die Intrige aufzudecken, wird behauptet, dass Hero auf Grund dieser Beschuldigungen gestorben sei. In einer Trauerprozession verkündet Claudio dann auch seine tiefe Trauer. Doch niemand hat an die beiden Polizisten Holzapfel (Simeon Conermann) und Schlehwein (Marvin Anger) gedacht. Sie sind es, die die Wahrheit ans Licht bringen. Claudio wird daraufhin zu einer Zwangshochzeit mit einer Unbekannten verpflichtet. Nachdem er vor dem Altar sein Eheversprechen gegeben hat, lüftet die Braut ihren Schleier. Zum Vorschein kommt die totgeglaubte Hero. In all der Heiterkeit finden dann auch endlich Benedikt und Beatrice zueinander und die beiden Übeltäterinnen werden verhaftet.

Die Spielfreude war allen Schauspielerinnen und Schauspielern anzumerken. Obwohl manchmal der Text etwas zu schnell und zu undeutlich präsentiert wurde, konnten alle Akteure in ihren Rollen überzeugen. Besonders die beiden Polizisten lagen in der Gunst des Publikums weit vorne. Das Experiment, die Komödie in den 50er Jahren anzusiedeln, ist ebenfalls aufgegangen. Unterstützt durch die Musik und die Kostüme, die aus dem Kostümfundus des theaterpädagogischen Zentrums in Lingen ausgeliehen wurden, ließ man die Rock `n` Roll-Ära wieder aufleben. Gedankt wurde es den Schauspielerinnen und Schauspielern mit langanhaltenden Applaus.