„Ich habe es mir schlimmer vorgestellt“, sagte ein Neuntklässler nach seinem Bewerbungsgespräch. „Gut vorbereitet“, bescheinigte Herr Althüser von der Agentur für Arbeit in Rheine dem 15-jährigen Schüler der Gesamtschule.

Seine Bewerbungsunterlagen waren demnach ordentlich und vollständig, mit Lichtbild und Praktikums-Bescheinigung. Und auch der äußere Eindruck stimmte: Er war anständig angezogen, nicht „overdressed“, hatte ein Hemd und saubere Schuhe an. Er trat höflich auf, wirkte sehr natürlich, freundlich und sympathisch, hielt Augenkontakt trotz anfänglicher Nervosität, resümierte der Berufsberater, der gemeinsam mit seinen Kolleginnen Frau Klümper und Frau Böing zu Gast an der Euregio Gesamtschule war, um mit den Neuntklässlern ein Bewerbungstraining durchzuführen.

Neben der Agentur für Arbeit, der Stadt Rheine und dem Marienstift (Caritas) beteiligten sich auch die Rheinenser Firmen Apetito AG, Bültel & Westhoff, Krone sowie die Hermann Reckers GmbH & Co.KG mit Fachleuten an dem Training, sodass der gesamte Jahrgang in verschiedene Berufssparten und Räumlichkeiten aufteilt werden konnte.

Die Vorbereitung auf die jährlich stattfindende Veranstaltung begann bereits Wochen zuvor, denn schon bei der Bewerbung mussten die 15- bis 16-Jährigen zeigen, was sie im Unterricht in den Fächern Deutsch und Wirtschaft gelernt hatten. Selbstständig erstellten sie Anschreiben und Lebensläufe, erkundeten die beteiligten Firmen und Berufsbilder im Internet.

Der eigentliche Tag begann mit einem zweistündigen Einstellungstest unter realen Bedingungen. Schnell kamen die Schüler ins Schwitzen. „Das waren viel zu viele Aufgaben, die konnte man gar nicht schaffen“, kritisierte eine Schülerin. Dass dies so von den Personalchefs gewollt ist, überraschte die Jugendliche. Nach der großen Pause begann die zweite Runde – das persönliche Bewerbungsgespräch.

Seit Jahren stellen sich dafür Vertreter der lokalen Firmen zur Verfügung und führen mit einzelnen Schülern Bewerbungsverfahren durch. Zunächst wird eine vollständige Bewerbung an die ausgewählte Firma geschrieben, dann werden diese Schüler in einem fiktiven Bewerbungsgespräch auf „Herz und Nieren“ getestet. Manch kniffelige Frage musste von den Bewerbern beantwortet werden. Um das Gespräch noch realistischer zu gestalten, wurden manchmal Mitschüler als Betriebsräte oder weitere Firmenvertreter mit an den Tisch gesetzt, um zu vermitteln, dass einem Bewerber durchaus auch mal vier Personen gegenüber sitzen können. Die Gespräche wurden anschließend mithilfe der Beobachtungen der Mitschüler analysiert, die konzentriert die Stärken und Schwächen im Gesprächsverlauf notiert hatten. Anschließend gab es noch hilfreiche Tipps der Personalprofis, die dabei als Coach für die Schülerinnen und Schüler fungierten und ihre Unsicherheiten klärten. Neben Frau Wessendorf von der Firma Apetito bestärkte auch Frau Lemke von der Altenwohnanlage Marienstift einzelne Schüler darin, sich auch in der Realität bei Ihnen um einen Praktikums- bzw. Ausbildungsplatz zu bewerben.

„Das Bewerbungstraining war auf jeden Fall gut“, stellte eine Schülerin am Ende der Veranstaltung zufrieden fest. „Es wird einem die Angst davor genommen. Man fühlt sich nicht mehr so unsicher, weil man weiß, wie es abläuft.“ Auch die Vertreter der lokalen Firmen sowie die beteiligten Lehrer, vor allem Betreuerin Sylvia Lukaschek, bewerteten dieses Angebot durchweg positives und freuen sich auf die Gespräche im kommenden Jahr.