Neue Anforderungen

Im Jahre 2002 gab Walter Hüsken symbolisch einen riesigen Schlüssel an mich weiter und damit die Aufgabe, sein Werk fortzusetzen. Die Aufbauarbeit war geleistet, Bewährtes konnte fortgesetzt und weiter verbessert werden. Aber bald wurden auch neue Anforderungen an die Schule herangetragen. Die Stadt Rheine suchte eine weiterführende Schule für den gemeinsamen Unterricht behinderter und nicht behinderter Kinder. Nach einem langen Informations- und Entscheidungsprozess übernahm die Overberg-Hauptschule diese Aufgabe.

Modellprojekt Selbstständige Schule - Neues Schulprogramm und Gütesiegel für individuelle Förderung

Ein weiterer Diskussionsprozess wurde in Gang gesetzt und positiv entschieden: Die Euregio Gesamtschule stieg nachträglich in das Modellprojekt Selbstständige Schule ein. Bei der ersten Ausschreibung des Modellvorhabens im Jahre 2001 war man mit großer Mehrheit gegen eine Teilnahme gewesen, doch 2002 stellte sich die Sachlage anders dar. Als Arbeitsschwerpunkte wurden die Ausweitung des Förder- und Forderkonzeptes, eine Anpassung der Maßnahmen zur Berufs- und Studienorientierung, der Ausbau des Unterrichtens mit neuen Medien sowie die Analyse und Verbesserung der Mitwirkungsstrukturen festgelegt. Rückblickend erwies sich die Teilnahme am Modellprojekt als außerordentlich fruchtbar. 2003 wurden die Lernkompetenztage eingeführt, wichtig für die Akzeptanz war ein beeindruckender Elternabend mit praktischen Übungen. Sichtbarstes Ergebnis der Teilnahme am Modellprojekt ist die Fertigstellung eines zukunftsfähigen Schulprogramms, das wegen seiner Bedeutsamkeit am Ende des vorliegenden Jubiläumsbuches abgedruckt wurde. Viele in der Modellprojektzeit angestoßene und überarbeitete Maßnahmen führten 2008 zur Verleihung des Gütesiegels für individuelle Förderung durch das Ministerium für Schule und Weiterbildung.

100 grüne Klassenzimmer

Gerne ließ sich die Schule einbinden in Projekte der Stadt Rheine. Als im Rahmen der Regionale 2004 das Ziel der 100 grünen Klassenzimmer aufgestellt wurde, war die Gesamtschule dabei und richtete als 35. Schule ein grünes Klassenzimmer ein. Im Innenhof legten 20 Schüler des 8. Jahrgangs in der Projektwoche einen Teich an und erforschten praxisorientiert Geheimnisse der Natur.

Auszeichnungen für Arbeitsgemeinschaften

Im Bereich der Arbeitsgemeinschaften gab es Auszeichnungen für die AG "Naturexperimente" des 5. Jahrgangs, die sich ausgiebig mit dem Löwenzahn befasste, und für die Altenheim- AG des 6. Jahrgangs. Ganz neu in den Katalog der Arbeitsgemeinschaften aufgenommen wurde 2003 die AG "Verkehrsdetektive". Zuerst befassten die Kinder sich unter der Leitung einer engagierten Mutter mit Missständen im Auto- und Fahrradverkehr rund um die Schule. Neuerdings setzen sich die Verkehrsdetektive auch im politischen Raum für den sicheren Schulweg und verkehrsberuhigende Maßnahmen ein. Seit 2009 gibt es eine Arbeitsgemeinschaft in Kooperation mit dem Deutschen Fußballbund zur Talentförderung im Bereich Fußball.

Traurige Ereignisse

Neben all den schönen Ereignissen gab es auch traurige: Im Frühjahr 2007 wurde Tobias aus der 10c lange Zeit vermisst und später ertrunken aufgefunden. Sein Tod ging der gesamten Schulgemeinde sehr nahe. Im Forum wurde eine Trauerecke eingerichtet mit einem Kondolenzbuch, das die Erinnerung an den Mitschüler bewahrt. Im Jahre 2004 wurde die Schülerin Anna Opfer eines tragischen Verkehrsunfalles und hinterließ eine nicht zu schließende Lücke in ihrer Klasse. Von ihrer Familie veranlasste Unterschriftenlisten waren eine Möglichkeit der Trauerarbeit und führten letztendlich zu Absicherungsmaßnahmen an den Bahnübergängen der Kleinbahn in Wohngebieten.

Stolpersteine

Wie wichtig das Erinnern ist, stellen Schüler, Kollegium und Eltern alljährlich bei der Gestaltung des Shoah-Gedenktages jeweils am 27. Januar, dem Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, fest. So war es nahe liegend, dass sich die Euregio Gesamtschule 2004 an der Stolperstein- Aktion beteiligte und im Rahmen einer Spendenaktion vier Steine zur Erinnerung an Familie Joselewitsch in der Ludwigstraße setzen ließ. Bei mehreren Shoah- Gedenktagen standen sie im Mittelpunkt der Veranstaltungen.

Anmeldeüberhänge und Sechszügigkeit

Anhaltend hohe Anmeldezahlen mit einer entsprechend großen Zahl abgewiesener Schüler führten in jedem Jahr zu vehement in der Öffentlichkeit vorgetragenen Forderungen nach einer zweiten Gesamtschule. Im Jahre 2005 wurden 301Schülerinnen und Schüler für das 5. Schuljahr angemeldet, 151 mehr als aufgenommen werden konnten. Mit dem einsetzenden Schülerrückgang in den Grundschulen waren die Anmeldezahlen nicht mehr ganz so hoch, die Forderungen nach einer Vergrößerung der Gesamtschule ließen jedoch nicht nach und führten zur Entscheidung des Rates der Stadt Rheine, für die Schuljahre 2009/2010 und 2010/2011 die Zügigkeit an der Euregio Gesamtschule von 5 auf 6 Züge zu erhöhen. Bei einem Ortstermin stellte die Verwaltungsspitze fest, dass in den bestehenden Räumlichkeiten keine weiteren Klassen mehr untergebracht werden können. Deshalb werden derzeit zwei Pavillons auf dem an den Schulhof angrenzenden Parkplatz der Johannes-Kirchengemeinde aufgestellt.

Ereignisreiches Jahr 2008

Mehrere Projekte gelangten 2008 zur Vollendung: Die bewirtschaftete Toilette, "Location" genannt, konnte im Mai feierlich eröffnet werden, das Berufsorientierungsbüro ging im November an den Start und mit dem Wahlfach 8 - 10, einem völlig neuen Wahlpflichtangebot, wurde begonnen.

Neubau einer Dreifachsporthalle

Mit einer großen Baumaßnahme startet die Gesamtschule in das 20. Jahr ihres Bestehens: Die lang ersehnte Dreifachhalle wird gebaut. Sie erhält ihren Standort an der Elter Straße und ersetzt die Einfachhalle, die bei Erscheinen dieses Jubiläumsbuches bereits abgerissen sein sollte. Wahre Begeisterungsstürme rief die Entscheidung des Rates der Stadt Rheine hervor. Endlich wird das Zeit raubende Busfahren zu Sporthallen im Stadtgebiet ein Ende haben, endlich werden die Lehrer nicht mehr bepackt mit Sportutensilien in überfüllten Bussen Schüler beaufsichtigen müssen sondern können einen lehrplangerechten und zeitgemäßen Sportunterricht in einer unmittelbar am Schulhof gelegenen, freundlichen und hellen Sporthalle erteilen.

Damit wird denn auch die lange Geschichte der Provisorien und Notbehelfe ein gutes Ende finden - die junge Euregio Gesamtschule Rheine steht nach ihren 20 ersten Entwicklungsjahren vor einer hoffentlich guten Zukunft. Möge sie ihre Stärken weiter entwickeln, Bewährtes bewahren, weltoffen, stark, und sozial engagiert weiter voran schreiten.

Rheine, im Juli 2009

Lisa Reckmann-Bigge
Schulleiterin