Ein Zeitsprung und ein Ortswechsel: Heute, 20 Jahre nach Gründung der Schule, 10 Jahre nach dem Schreiben des ersten Artikels über die beiden ersten Jahre der Gesamtschule finde ich mich im Jahr 2009 wieder ... und zwar diesmal diesmal im Zimmer der heutigen Schulleiterin, Lisa Reckmann- Bigge, in "meinem" Schulleiterzimmer der Jahre 1991 – 2002. Uns vereint wieder eine Aufgabe: Ich soll und will über die Schuljahre 1991/92 bis 2001/02 und sie über die Jahre danach bis heute schreiben. Vor uns liegen Aktenordner mit den in dieser Zeit gesammelten Artikeln. Artikel in schier unüberschaubarer und kaum zu bewältigender Fülle!

Umzug, Umbau und Neubau

Zu Beginn des neuen Zeitabschnittes für die Gesamtschule lagen der Umzug vom Schotthock in das Gebäude der Fürstenberg-Realschule an der Goebenstraße, die Aufstellung von vier Pavillon- Klassen, die erst 1994 wieder abgebaut wurden, weil die Mensa dort errichtet wurde, der Umbau der naturwissenschaftlichen Räume zur Küche, die Verpflichtung von apetito-catering zur Beköstigung der Schüler und Lehrer in der Aula. Ähnlich wie heute, wo wegen Raummangel und Anmeldeüberhang auch schon wieder die Aufstellung von Pavillonklassen beschlossen ist, ging es um die Frage: Wo und wie sind die vielen Schüler unterzubringen? Dafür waren neben dem Realschulgebäude die Räume der Martin-Luther-Schule vorgesehen, die zur auslaufenden Schule erklärt und mit der Overberg-Hauptschule zusammengelegt wurde.

Damit aber nicht genug: Während der folgenden Jahre wurde bei laufendem Schulbetrieb an allen Ecken und Enden der Schule abgerissen und umgebaut und neugebaut. Lehrer und Schüler wurden von 7.30 Uhr bis 16.00 Uhr vom Lärm der Schlagbohrhämmer und anderer Baumaschinen bei ihrem Unterricht begleitet. Manchmal war es unerträglich. Wir ertrugen es nur in der Hoffnung, dass es irgendwann vorüber und dann alles besser sei. Aber es sollte Monate und Jahre dauern, bis alles fertiggestellt war. Man bedenke: Das Gebäude der Fürstenberg- Realschule (Gebäudeteil A) und das der Martin-Luther-Haupt- Schule (Gebäudeteile C und D) mussten gänzlich renoviert und umgebaut und auch erweitert werden, der naturwissenschaftlich- musische Trakt (Gebäudeteil B) wurde neu gebaut, ebenso wie das Forum mit Bibliothek. Verbaut wurden 27,3 Mill. DM, aufgebracht vom Land NRW und von der Stadt Rheine.

All dies machte vielfältige Absprachen zwischen der Stadt, der Bauverwaltung und der Schulleitung sowie den Lehrern und den Eltern notwendig. Es wurde oft und viel gestritten, manchmal um Kleinigkeiten, oft um entscheidende Dinge wie z.B. die Raumaufteilung und die Farbgestaltung, die ich auch heute noch als insgesamt gelungen ansehe. Allerdings griffen auch Mitglieder der Schulleitung zu Farbe und Quast, um das "schreckliche Gelb" in ihren Räumen zu überstreichen. Eltern setzten wenigstens in einigen Bereichen die Aufstellung großzügiger Fahrradständer durch. In Eigeninitiative erreichte die Schule mit viel Energie und Phantasie, u.a. mit einem Sponsorenlauf, die Installation einer Solaranlage.

Bei der Planung der Schule war ursprünglich der Bau einer Dreifachsporthalle mit überlegt worden. Die ersten Bauzeichnungen dafür lagen auch schon vor, aber unter dem Diktat der knappen Kassen wurde der Bau erst einmal aufgeschoben und auf die Prioritätenliste der städtischen Baumaßnahmen gesetzt. Mehrfach haben wir den Bau der Sporthalle auf den ersten Platz bringen können, aber irgendwelche Ereignisse kamen immer wieder dazwischen. Nun geht die Euregio Gesamtschule Rheine davon aus, dass die vom Rat beschlossene Sporthalle im Sommer 2010 fertiggestellt ist.

Mensa und Mensaverein, Elternpflegschaft und Freundeskreis

Ein Kraftakt besonderer Art war der Bau der Mensa, da sich Schulleitung, Mensaverein und Bauamt auf wichtige Details und den Zeitplan nur schwer einigen konnten. Der Mensaverein, bestehend aus Eltern, Lehrern und Schulleitungsmitgliedern hatte seit 1992 die Beköstigung der Schüler und Lehrer übernommen und in dem inzwischen leider viel zu früh verstorbenen Michael Hirschmeier, der gleichzeitig auch Schulpflegschaftsvorsitzender war, einen Vorsitzenden gefunden, der mit Tatkraft und Übersicht die Belange der Schule und des Mensavereins vehement vertrat. Unter seiner Leitung übernahm der Mensaverein vielfältige Aufgaben, neben der Beköstigung die Betreuung von Schülern im Ganztag, die Aufklärung über gesundes Essen, kulturelle Veranstaltungen wie Jazzkonzerte, u.a. trat einmal Chris Barber und Band hier auf, und natürlich die Ausrichtung von Festen der Eltern, der Lehrer und der Schüler sowie das allseits geschätzte Weihnachtsessen, das vor allem ein Dankeschön der Schule für die in der Schule tätigen Eltern sein soll. Die Einweihung des Mensagebäudes wurde im Oktober 1995 mit einem Festakt gefeiert, ebenso das 10jährige Bestehen des Mensavereins im Jahr 2002. Schon und gerade im ersten Jahr der Gesamtschule hatte sich gezeigt, dass die Eltern, die die Gesamtschule in Rheine erstritten hatten, und die gewählte Schulpflegschaft gewillt waren, die Belange ihrer Schule, ihre Interessen und die Interessen ihrer Kinder offensiv auch gegen Widerstände zu vertreten. Dies zeigte sich in vielen Auseinandersetzungen, in die sich die Elternschaft konstruktiv einbrachte. Im Freundeskreis, der auch schon im ersten Jahr gegründet worden war, wurde das organisatorische und finanzielle Fundament für so manche Aktion gelegt, die ohne den Freundeskreis nicht hätte stattfinden können.

Säulenwald und Logo

Natürlich wurden auch die Außenanlagen der Schule, die Bolzplätze und die Sport- und Spielgeräte auf dem Schulhof gänzlich überplant und inzwischen schon wieder mehrfach mit Hilfe auch von Lehrern und Schülern verändert und veränderten Gewohnheiten und der Entwicklung der Schule angepasst. Wichtig war mir, dass zum Abschluss der Bauarbeiten unter dem Thema "Kunst am Bau" der Schulhof mit einer ausdrucksstarken Skulptur bereichert wurde. Nach einer öffentlichen Ausschreibung, an der sich namhafte Künstler der Region beteiligten, überzeugte Jörg Nachtigall-Gemüth, Münster, die Jury mit seinem Säulenwald, der Themen der Gesamtschulpädagogik in sein Kunstwerk übertrug. Schulintern wurde zur gleichen Zeit ein Wettbewerb "Logo für die Gesamtschule" ausgeschrieben, an dem sich aktiv und beratend viele aus der Schule beteiligten. Die Entscheidung fiel aber zugunsten eines Design-Profis, der sich bei der Erklärung seines Logos auch auf gesamtschulspezifische Anliegen bezog.

Innerer Ausbau und äußere Entwicklung

Und "nebenher" musste auch noch Schule gemacht werden, der (innere) Aufbau der Schule war die eigentliche Aufgabe, Unterricht hatte im Mittelpunkt zu stehen. Wie wir das hinbekommen haben, weiß ich nicht mehr - aber irgendwie haben das Kollegium, die Schulleitung, die Elternschaft und von Jahr zu Jahr mehr auch die Schülerschaft und die selbstbewusster werdende SV es trotzdem hinbekommen - und gut hinbekommen, wie ständige Rückmeldungen aus der Elternschaft, von Schülern, das öffentliche Bild in den Medien, Umfragen und vor allen Dingen der ständige Anstieg der Anmeldezahlen zeigten und zeigen. Öffentlichkeitsarbeit, Tage der offenen Tür, Einladungen zu vielen Veranstaltungen, Schnupperunterricht trugen dazu bei, aber auch die erfolgreiche Teilnahme an Zeitungsprojekten wie dem Zeitungsflirt und der Beteiligung an Wettbewerben auf Stadtebene, z.B. bei den von der Stadtsparkasse ausgeschriebenen Kunst-Wettbewerbe zum Thema "Picasso" und "Christo".

In all den Jahren lautete die Frage nie: Reichen die Zahlen für die Fünfzügigkeit? sondern immer: Wie viele Schüler können wir und müssen wir aufnehmen, wie viele müssen wir abweisen? Bei 240 Anmeldungen im Jahre 1998 mussten 90 Schüler abgewiesen werden. Einmal ist es den Eltern gelungen, für einen Jahrgang die Sechszügigkeit durchzusetzen, ein anderes Mal scheiterte der Versuch, die Sechszügigkeit durch Elternklagen zu erreichen, erst vor dem Oberverwaltungsgericht Münster. Damals wurde mir, dem Schulleiter, nach Bekunden der hiesigen Presse "ein Maulkorb verhängt", um die Rechtsansicht der Stadt, die eine andere als die der Schule war, vor Gericht durchsetzen zu können. Auch heute ist die Frage der Sechszügigkeit wieder aktuell, sie ist für zwei Jahrgänge erst einmal beschlossen, und das, obwohl die Schülerzahl in Rheine zurückgehen wird. Wird es bei der Sechszügigkeit bleiben oder gibt es - wie schon in den neunziger Jahren - noch einmal die Diskussion um eine zweite Gesamtschule in Rheine? Damals hat sich die Schulleitung der Gesamtschule dagegen ausgesprochen. weil man befürchtete, dass erreichte Standards, etwa im Bereich des Ganztages, in Frage gestellt würden. Und heute? Wo sich der Ganztag an allen Schulformen mehr oder weniger etabliert, selbst vorsichtig an Gymnasien?

Und damit sind wir mitten in der Diskussion der damaligen Gesamtschule:
Wie gestalten wir den Ganztag?
Was bedeutet Ganztag für uns?
Ist der Ganztag verpflichtend?
Findet auch am Nachmittag ganz normaler Unterricht statt?
Wie erfolgt die Verteilung der Fächer und Stunden auf den Tag?
Wie viele Mittagspausen gibt es und wie lange dauern sie?
Wie wird der Tag für die Schüler rhythmisiert?
Was bedeuten gute Schülerpläne für die Lehrer?
Antworten haben wir darauf unter Beteiligung der Lehrer, der Eltern und der Schüler gefunden, oft unter großen Schwierigkeiten, manchmal indem sich die Schulleitung darauf zurückzog, dass die Stadt den Ganztag beschlossen habe und er deswegen nicht zur Disposition stehe. Die Eltern haben diese Position immer sehr deutlich mitvertreten.

Wahlpflichtfächer und Differenzierung

Deutlich entspannter wurde die Diskussion um die Sprachenfolge geführt. Wie die anderen Sekundarstufen-I-Schulen war die Gesamtschule im Jahrgang mit Englisch gestartet. Für das Schuljahr 1992/93 musste entschieden werden, wie es weiterging. Leicht einigte man sich auf Französisch als 2. Fremdsprache. Für die Idee, Niederländisch wahlweise anzubieten, musste ich kräftig werben. Das Argument der geografischen Nähe zu den Niederlanden und dass es nicht so schwer sei, Niederländisch zu lernen, gaben den Ausschlag für dieses Fach. Kurioserweise war der RP nicht in der Lage, einen Niederländischlehrer zu stellen, so dass ich mit meinen geringen Kenntnissen des Niederländischen diese Aufgabe für ein Jahr übernehmen musste. Inzwischen ist dieses Sprachangebot aber so erfolgreich, dass es mit der Übersetzung von städtischen Broschüren wie etwa der Werbebroschüre für den Tierpark ins Niederländische betraut wurde. Für den 9. und 10. Jahrgang wurde dann noch zusätzlich Latein in unser Sprachenangebot aufgenommen. In der Oberstufe wird dieses Angebot fortgesetzt, auch für Schüler, die noch nicht die 2. Fremdsprache haben.

In diesem Zusammenhang standen die Wahlpflichtangebote I mit Arbeitslehre und NW sowie den 2. Fremdsprachen. Die Frage eines musisch-künstlerischen Bereiches wurde immer wieder angestoßen, aber im Berichtszeitraum nicht umgesetzt, weil man befürchtete, den anderen Fächern zu viele Schüler zu entziehen. WP II wurde vielfach umstrukturiert und verbessert und an die Wünsche, Interessen und Fähigkeiten der Schüler und den Angeboten der Lehrer angepasst Auch die Differenzierung in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik und den Naturwissenschaften wurde unter verschiedenen Aspekten immer wieder neu diskutiert, aber immer so gestaltet, dass ein Optimum für unsere Schüler erreicht wurde. Ebenso befruchtete die Frage nach der Integration der naturwissenschaft lichen Fächer in ein Fach NW den Unterricht in vielfältiger Weise.

Ganztag und AGs

Der Ganztag und damit die längere Verweildauer der Schüler in der Schule sollte auch zwei Dinge möglich machen: den Stress von Eltern und Schülern mit den Hausarbeiten minimieren und eine bessere und individuelle Förderung der Schüler erreichen. Dabei konnte das Gerücht, in der Gesamtschule gäbe es für die Schüler keine "Haus"-Aufgaben, nicht ausgerottet werden. Natürlich kann man eine Fremdsprache nur durch regelmäßiges Pauken lernen und umfassendere Aufgaben im Fach Deutsch lassen sich auch nicht mal so eben in einer Freistunde erledigen. Schwierig war auch die Entscheidung zwischen den Fördermöglichkeiten. Sollen wir nur die Schüler fördern, die in bestimmen Fächern Schwächen haben? Oder sollen auch die guten und sehr guten Schüler in ihren Spitzenleistungen noch weiter gefordert werden? In Zeiten schlechter Lehrerversorgung haben wir uns für die erste Alternative entschieden, aber immer wieder auch versucht, unseren guten Schülern ein zusätzliches Angebot zu machen. Auch das AG-Angebot entwickelte sich nach und nach, wobei einerseits der Einsatz der Eltern wie auch die Verbindung zu Sportvereinen und anderen städtischen Einrichtungen hervorzuheben sind. So waren und sind in der Regel etwa 60 Väter und zumeist Mütter pro Woche in der Schule in den verschiedensten Bereichen tätig. Die Zusammenarbeit mit dem Wassersportverein Rheine und der Einsatz von Schülern und Lehrern führten regelmäßig zur erfolgreichen Teilnahme an den Landesfinalkämpfen. Auch soziales Engagement wurde gefördert, etwa in den Kontakten zu Altenheimen in Rheine.

Feiern und Rituale

Neben dieser guten Tradition ergaben sich andere Traditionen für die Schule und Rituale, die gepflegt wurden. Leider fand der in den ersten Jahren angebotene und erfolgreich durchgeführte Eltern-Lehrer-Ball mit größer werdender Schule keine Resonanz mehr. Dafür wurden die Eingangsfeiern für die neuen 5-Klässler und die Abschiedsfeiern für die 10-Klässler immer qualitätsvoller. Klassen- und Studienfahrten ließen Schüler und Lehrer einander näher kommen. Dichter- und Autorenlesungen, Märchenlesungen, Theateraufführungen fremder und eigener Theatergruppen, Musikdarbietungen, Ausstellungen und Wettbewerbe ergänzten das normale schulische Angebot. Gepflegt wurden die alljährlich stattfindenden Projektwochen und ihre öffentliche Präsentation. Dann fand kein "normaler" Unterricht statt und die Schüler fanden sich zu neuen Gruppen und Themen zusammen. Hin und wieder gab es auch Schulfeste und Schulfeten. Die schuleigenen Gruppen erreichten nicht nur den nicht enden wollenden Applaus der Zuschauer, sondern auch mehrmals die Teilnahme an Wettbewerben wie an dem Theaterjugendwettbewerb auf Landesebene. Die SV hat sich über viele Jahre hinweg mit dem Thema "Nationalsozialismus" und "Holocaust" auseinandergesetzt und Zeichen gesetzt, etwa durch die Einladung von Ignatz Bubis, durch Sternmärsche in Rheine zum Gedenken an die Opfer des deutschen Rassismus und Beteiligung an der Aktion "Gedenksteine in Rheine". Als auch in Rheine ausländische Mitbürger von Rechtsradikalen angegriffen und bedroht wurden, gingen sie auf die Straße und protestierten dagegen und beteiligten sich an der Lichterkette. Als eine Delegation türkischer Schüler aus Ankara in Rheine zu Besuch war, war die SV dabei. Seit Jahren fahren auch Schüler der Gesamtschule mit anderen Schüler Rheinenser Schulen nach Auschwitz, Polen, damit die schrecklichen Ereignisse der Judenpogrome nicht in Vergessenheit geraten. Die Schülerzeitung "Scool" ist bei den Schülern beliebt, ihr Internetauftritt ist wie der der Schule äußerst interessant (www. scoolonline.de/ www.euregio-gesamtschule-rheine.de).

Partnerschulen

Auch im Bereich der Partnerschaften wurden Traditionen auf- und ausgebaut. Über lange Zeit etabliert war und ist die Partnerschaft mit der Schule in Hengelo, die viele gemeinsame Projekte bis hin zu Sportfesten der Partnerschule mit dem Kopernikus-Gymnasium und der Euregio Gesamtschule Rheine ermöglichte. Zum Ende des Berichtszeitraumes deutete sich eine zusätzliche Partnerschaft mit einer niederländischen Schule in Groningen an, die inzwischen gut ausgebaut ist. Kürzlich ist noch die Partnerschule in Borne dazugekommen. Für die "Euregio" Gesamtschule Rheine ein Erfolg, der mich mit Stolz erfüllt. Leider waren die anderen Partnerschaften nicht so erfolgreich. Die Kontakte zu den Partnerschulen in Etupes, Frankreich, in Keighley, Großbritannien, und in Antwerpen, Belgien, konnten nur einige Jahre aufrechterhalten bleiben. Unsere Schüler und Lehrer haben das immer bedauert.

Namensgebung und andere Feiern

Neben diesen periodisch wiederkehrenden Ereignissen gab es eine Reihe anderer Anlässe, Feiern zu veranstalten. So galt es, der "Gesamtschule Rheine" einen richtigen Namen zu geben. Alle an der Schule Beteiligten konnten Namen vorschlagen und ihre Wahl begründen. Letztendlich wurde 1993 in der Schulkonferenz als Name "Euregio Gesamtschule Rheine" gewählt und vom Rat der Stadt Rheine bestätigt. Der Name sollte sich natürlich auch als Auftrag im Profil der Schule widerspiegeln. Zunächst aber galt es, mit dem Namensgebungsfest das erste große öffentliche Fest zu begehen. Alle gaben ihr Bestes, auch die Redner, die allerdings viel zu lange brauchten, um ihre Botschaft rüber zu bringen, während vor den Türen die Schüler ungeduldig auf ihren Einlass warteten.

Die zeitlich unterschiedliche Fertigstellung der Bauteile vom Richtfest über die Fertigstellung einzelner Bauteile bis zur endgültigen Einweihung der Schule 1995, bei der mir der damalige Bürgermeister Günther Thum, der sich um die Gesamtschule Rheine in vielfältiger Form verdient gemacht hat, symbolisch die Schlüssel der neuen Schule überreichte, gaben Gelegenheit, die Schule in der Öffentlichkeit zu präsentieren und damit auch augenfällig die innere Fortentwicklung der Schule zu zeigen. Parallel dazu wurde nach langen und intensiven Diskussionen eine für alle verbindliche Schul- und Hausordnung erarbeitet.

Die gute Entwicklung wurde 1995 dadurch um so augenfälliger, dass der 1. Jahrgang, der Gründungsjahrgang von 1989, die Sekundarstufe I durchlaufen und mit der Klasse 10 den von allen ersehnten Abschluss erreicht hatte. Damit war die erste Etappe der Schulentwicklung erfolgreich geschafft.

Gleichzeitig aber liefen seit einiger Zeit mit Nachdruck die Vorbereitungen für die zweite Etappe, die Sekundarstufe II. Die Euregio Gesamtschule Rheine schaffte aus eigener Kraft eine zwei bis dreizügige Oberstufe. Die Schüler konnten dabei zwischen unterschiedlichen Profilen wählen, die sich aus den Gegebenheiten der Sekundarstufe I und aus umfangreichen Umfragen unter den Schülern ergaben: Kultur und Gesellschaft, Mathematik und Umwelt sowie Natur und Gesellschaft. Gegen eine allzu starre Bindung der Fächer wehrten sich die Schüler des ersten Jahrgangs 11 erfolgreich. Auch die von uns gewollte Kooperation mit dem Kopernikus-Gymnasium in der Oberstufe konnte durchgesetzt werden. Für den Jahrgang 11 wurde eine Orientierungsfahrt zu Beginn der Oberstufe eingeführt, für den Jahrgang 12 wurden ein Praktikum und eine Studienfahrt festgelegt. Gute und schlechte Erfahrungen und Diskussionen prägten die nächsten drei Jahre bis zum ersten Abitur, das 1998 abgenommen wurde. Damit hatten die Schüler, ihre Eltern und Lehrer und die Euregio Gesamtschule Rheine sowie die Stadt Rheine ihr Ziel erreicht: die Gesamtschule mit der Sekundarstufe I und der Sekundarstufe II und die Vergabe aller Schulabschlüsse bis zum Abitur.

Ein Jahr später, 1999, feierte die Schule ihr zehnjähriges Bestehen und zeigte stolz, was sie bis dahin alles erreicht hatte. Für mich veranstalteten Schüler, Lehrer und Eltern ein Jahr später zu meinem 60. Geburtstag ein gelungenes Fest, woran ich noch heute mit Freude und Dankbarkeit denke.

Berufsvorbereitung und andere Programme

Neben der Vorbereitung der Schüler auf das Erreichen eines möglichst hohen Schulabschlusses begann schon sehr früh die Vorbereitung auf Berufsfindung und Beruf mit 2 Berufspraktika in der Sekundarstufe I und einem weiteren Praktikum in der Sekundarstufe II. Diese wurden sogar in Zusammenarbeit mit den Partnerschulen auch in den Niederlanden, in Großbritannien und in Belgien durchgeführt. Kontakte mit den Berufsberatern des Arbeitsamtes wurden für Schüler, Eltern und Lehrer ebenso selbstverständlich wie die Besuche unserer Schüler im Arbeitsamt. Die Anforderungen der Berufsvorbereitung wurden in die Profile möglichst vieler Fächer eingearbeitet. Studienvorbereitung war immer auch Berufsvorbereitung, wie die Praktikumsberichte in der Oberstufe zeigen. 1998 konnte zur Berufswahlvorbereitung eine vielbeachtete schuleigene Broschüre vorgestellt werden. Aus der jeweils aktuellen Lage wurden unterschiedliche Programme entwickelt. Mit dem Älterwerden der Schüler ergab sich auch das Problem Drogen, einschließlich Alkohol und Nikotin und die Notwendigkeit, aktiv und mit Programmen dagegen vorzugehen bis hin zur Zusammenarbeit mit der Präventionsabteilung der Kriminalpolizei. Als schwierig erwies sich die offene Lage der Schule, die ohne Absperrgitter auskommen wollte, während die Aufteilung der Jahrgänge auf einzelne Gebäude und Schulhöfe eine Hilfe war. So konnte der einzelne nicht ganz so leicht in der Masse verschwinden und Schulfremde wurden leichter ausgemacht. So musste die Schule auch reagieren, als die Gewaltbereitschaft der Schüler bzw. ihre Wahrnehmung zunahm. Ein breit diskutiertes Programm "Friedfertigkeit" wurde aufgelegt, um aktiv gegen Täter vorzugehen und ihnen sowie natürlich den Opfern zu helfen und sie zu stärken. Dabei war uns die Ein beziehung der Erziehungsberechtigten besonders wichtig.

Gleichzeitig galt es, aktuelle Ereignisse, Entwicklungen und Trends unterrichtlich zu begleiten. Ich denke an die Bemühungen zum "Westfälischen Frieden", an die Ausstellung des Bocholter Textilmuseums über die "Weber", zu vielfältigen Aktionen zum Umweltschutz, zu Fragen der "Neuen Medien", zu Internet und Computern, bei denen die Schule früh einstieg, und zu Fragen der Gleichberechtigung. Girls Days und Mädchenpower waren die Stichworte, die natürlich Lehrer und Schüler zu der Frage nach "Jungenpower" animierten. Ein Dauerbrenner war der Euregio-Auftrag, der in vielen Fächern zum Tragen kam, aber auch immer wieder durch einzelne Aktionen, etwa im "Europa-Spiel" der EU oder dem Solidaritätslauf für eine Schule in Indien, gemeinsam mit vielen Rheinenser Schulen in die (Schul)-Öffentlichkeit getragen wurde.

Abschied und Stiftung

2002 war mein zwölfjähriger Dienst an der Euregio Gesamtschule Rheine beendet. In einer bewegenden Feier durfte ich den Schlüssel der Schule an meine Nachfolgerin, Frau Reckmann- Bigge, weitergeben, die zunächst als Abteilungsleiterin I und dann als Organisationsleiterin und als meine Stellvertreterin schon seit Jahren an der Schule tätig war und zur neuen Schulleiterin von der Schulkonferenz und der Stadt Rheine gewählt und vom Schulministerium ernannt worden war.

Ich verließ die Schule mit der Anregung einer "Stiftung Euregio Gesamtschule Rheine" im Rahmen des Freundeskreises, durch die möglichst alljährlich ein besonderes Projekt der Schüler ausgezeichnet werden soll, wie es z.B. mit der Raum- und Farbgestaltung im Flur und Treppengebäude A geschah, damit weiterhin die positive Entwicklung "meiner Schule", der Euregio Gesamtschule Rheine, öffentlich und angemessen gewürdigt wird.

Münster, im Juni 2009

Walter Hüsken